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    An der pädagogischen Front
Ostdeutsche Lehrer in den Umbrüchen der Wende

Feature von Holger Siemann, 2019
Ursendung am 24.9.2019, 19:15 Uhr auf Deutschlandfunk

Jutta Hoffmann stieg von der DDR-Schulleiterin zur Hauptschullehrerin ab. Siglinde Schaub klagte gegen den Rausschmiss aus dem Direktorenamt und landete im Berliner Abgeordnetenhaus. Alexander Lubawinski fand sich nach der Wende als Vorgesetzter der beiden Kolleginnen wieder.
Alle drei sind überzeugte Pädagogen geblieben. Ihre Vorwendeerfahrungen haben ihnen geholfen, die Umbrüche ihres Lebens zu meistern. Mit einer gewissen Genugtuung stellen sie fest, dass das deutsche Bildungswesen 30 Jahre später wieder an Punkte gelangt, die die DDR-Pädagogen verlassen mussten: die Gemeinschaftsschule. Das Fach ‚Praktische Arbeit‘. Die frühkindliche Bildung.
Siglinde Schaub und Alexander Lubawinski haben im politischen Raum dafür gekämpft. Und Jutta Hoffmann in der Schule, die ihr kein Burn-out bescherte. Im Gegenteil, sie war der Ort, eine private Katastrophe zu verarbeiten.

 
     
     
     
     
     
                         
                       
                       
    Licht am Ende von Tunnel B

Feature von Holger Siemann, 2019
Regie: Anna Panknin

1988 war Kirsten Münch 20 Jahre alt und erzählte in dem DEFA-Dokfilm „Tunnel B“ über das Kombinat Mikroelektronik Erfurt von ihrer Arbeit und ihrer Schwangerschaft. 30 Jahre später machen wir sie ausfindig und fragen, was aus ihr und ihrem Kind geworden ist.
Zur gleichen Zeit versuchte Hans-Jürgen Straub in der Kombinatsleitung moderne Methoden der Planung einzuführen. Im Zusammenbruch sah er vor allem die Chance. Er rettete, was zu retten war, zerschlug, entließ, verschlankte, besorgte Kredite. Heute blickt er mit Stolz auf XFab und sein Lebenswerk zurück.
Frau Lenkert wurde vom Zusammenbruch des Sozialismus überrascht, doch für Trauer oder Angst blieb keine Zeit. Als Hauptbuchhalterin ordnete sie den Untergang der DDR-Mikroelektronik, erstellte Abschlussbilanzen und verwaltete Schulden, bis der letzte Aktencontainer nach Berlin und sie selbst in den Vorruhestand ging. mehr

 

 
     
     
     
     
     
                         
                       
                         
    Kafka, Kanzler und da knackt nichts

Feature von Holger Siemann, 2010
Regie: Thomas Wolfertz

Im April 2001 fand B. auf seiner Mobiltelefon-Rechnung merkwürdige Angaben: Zu jeder gewählten Telefonnummer war eine zweite, immer gleiche Nummer angegeben. Wenn man dort anrief, meldete sich eine Stimme: "Dies ist ein geschlossenes System. Sie haben keine Berechtigung"
Während der folgenden sieben Jahre wurde B. immer ausufernder überwacht, vorgeladen, des Terrorismus beschuldigt, verhaftet und freigelassen - bevor nach verschiedenen peinlichen Pannen und wachsender Öffentlichkeit das Verfahren endlich eingestellt wurde.
Das Feature erzählt mit viel Humor wie Feindbilder im Zeitalter des Terrorismus funktionieren, von den Gefährdungen der Demokratie und von ihren tapferen Verteidigern...

 

 
     
     
     
     
     
                         
                       
                       
   

Ratten sind charmante Leute

Feature von Holger Siemann, 1998
Regie: Christa Kowalski

Ratten sind widerlich und, klug, niedlich und häßlich, sie sind Schädlinge und Delikatesse, , Haustier und Pestüberträger. Im chinesischen Jahr der Ratte macht sich Holger Siemann ober-, unter- und überirdisch auf die Suche nach der Wahrheit: Können Ratten 14 Stockwerke in einer senkrechten Abwasserleitung emporklettern? Fressen sie Kindern die Ohren ab und Elefanten Löcher in die Beine? Bringt man sie besser mit Gift oder Flammenwerfer um? Zahlreiche Ratten und ihre Menschen geben Antworten auf diese und viele andere Fragen.

   
       
       
       
       
       
       
                         
                       
                     
    Und morgen in das kühle Grab

Feature von Holger Siemann, 1999
Regie: Christa Kowalski

„Der Tod ist meine letzte und unwiderrufliche Niederlage, wo soll da die Würde herkommen?“, fragt der Autor sich und die Autorin antwortet: „Aus den Nähe betrachtet, verliert das Sterben den sprachlos machenden Schrecken“. Christa Kowalski und Holger Siemann unternehmen eine Reise ans Ende des Lebens und erzählen davon aus ihrem jeweiligen, durch 25 Lebensjahre unterschiedenen Blickwinkel. Sie begegnen Sterbenden und ihren Pflegern, Angehörigen und professionellen Sterbehelfern und stellen Fragen: Spüren wir das Nahen des Todes? Wie fühlt sich das Sterben an? Was können wir gegen Schmerzen und Einsamkeit tun? Wer hilft, wenn wir nicht mehr leben wollen? Was geschieht nach unserem Tod mit unserem Körper?
 

 
     
     
     
     
     
     
     
     
                         
                   
                         
    Der blaue Prinz

Feature von Holger Siemann, 1992
Sprecher: Jan Josef Liefers
Regie: Christa Kowalski

1990 stand ich, im Jahr nach dem Mauerbau in Leipzig geboren, mit angehaltenem Atem vor dem Schaufenster eines Reisebüros und las: "Agadir, 400 DM". Einen Monat zog ich mit meinem Mikrophon durch Marokko. Ich besuchte Städte mit den Namen von Träumen: Casablanca, Marrakesh, Tanger, begegnete Menschen, die unglaublich arm waren, ärgerte mich, weil ich mir einen Teppich aufgedrängen ließ und verliebte mich. Ich kehrte zurück nach Berlin, ein bisschen traurig, aber das Radio nahm meine Geschichte sofort. Ich dachte: weil die Leute hören wollen, wie es im exotischen Marokko ist. Jahre später erst erzählte mir der Redakteur, wie amüsiert er von meiner Naivität war: Wessis kannten das, der Maghreb-Boom war lange vorbei und natürlich sind die da unten arm.
 
 
     
     
     
     
     
 
                         
                       
                         
   

Ich sitze hier schon seit acht Minuten
Unsere Jüngsten im Bundestag 

Feature von Holger Siemann, 2003
mit Beiträgen von Katharina Reiche, Andrea Nahles und Hubertus Heil
Ursendung SR2 14.4.03, Länge: 25:27

Unsere Jüngsten im Bundestag sehen älter aus als sie sind, möchten nichts lieber als erwachsen sein und ernst genommen werden. Jenseits der Kameralichter und öffentlichen Auftritte wirken sie durchsichtiger. Sie sind noch nicht so glatt bei der Selbstdarstellung, noch nicht so abgeklärt beim Legendenstricken, noch nicht so cool beim Schaumschlagen wie die Großen.
Während und nach ihren ersten Wahlkämpfen für die große Politik zwischen 1999 und 2003 erzählen die (damaligen) Politikanfänger Andrea Nahles, Katherina Reiche und Hubertus Heil von den Mühlen der Politik, von Zwängen, Unmöglichkeiten, Geduld und dem Bohren dicker Bretter.

 
 
     
     
     
     
     
 
                         
                       
                         
   

Kinderschreck und Ehrenbürger
die Gesichter des Herbert Hupka

Feature von Holger Siemann, 2004,
Ursendung SR2  19.1.2004, Länge:
25:30

Von Draußen dringt der Lärm eines Brückenbaus in den Versammlungssaal der Görlitzer Vierradenmühle. Der Redner lässt sich nicht beirren, er hält totz  seiner 88 Jahre den Kopf erhoben und schaut aus einem braun gebrannten Gesicht munter und freundlich in die Runde. Dieses markante Profil mit dem Schnurbart war jahrzehntelang mit schöner oder unschöner Regelmäßigkeit, das hing ganz vom politischen und geografischen Standpunkt des Betrachters ab, in den Zeitungen und Nachrichtensendungen beider deutscher Staaten zu sehen. „Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien“, „Abgeordneter“ oder „Vertriebenenpolitiker Dr. Herbert Hupka“ hieß er bei den einen, Erzrevanchist oder der Ewiggestrige Hupka bei den anderen. Nach der Wende ist es stiller geworden um ihn, so still, dass die Nachricht, er sei Ehrenbürger in Ratibor geworden, eher Ratlosigkeit ausgelöst hat. Ratibor ist Herbert Hupkas Heimatstadt, heißt heute Raciborz und liegt in Polen. Was ist geschehen? 
 

 
     
     
     
     
     
 
                       
                       
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